


Im Oktober hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen der sportmedizinischen Ausbildung für angehende Sportmediziner:innen in Österreich den Kursteil zu den Themen Sporternährung und Nahrungsergänzungsmittel zu leiten. Vor 50 Teilnehmenden bot sich eine wertvolle Gelegenheit, ein zunehmend wichtiges Thema der Sportmedizin zu erörtern: den Relativen Energiemangel im Sport (REDs).
REDs und seine Symptome sind noch nicht ausreichend bekannt. Jede Möglichkeit, mit Fachpersonal aus dem Sport darüber zu sprechen, ist wichtig für die Prävention.
Es ist mir ein wichtiges Anliegen, stets neue Wege zu finden, um das Bewusstsein für REDs unter Ärzt:innen zu schärfen. Obwohl das Krankheitsbild zunehmend bekannt wird, bestehen nach wie vor erhebliche Wissenslücken. Vor diesem Hintergrund habe ich mich sehr gefreut, im Rahmen dieses sportmedizinischen Programms einen Beitrag zur Sensibilisierung und Wissensvermittlung leisten zu können – mit dem Ziel, die klinische Praxis bei der Erkennung und Behandlung von REDs zu verbessern.
Während Ernährung und Nahrungsergänzung wesentliche Aspekte für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Athleten darstellen, lag ein Schwerpunkt des Inhhaltes damit auf REDs. REDs können Athlet:innen aller Sportarten und Leistungsniveaus betreffen. Die Situation, wenn die Energiezufuhr nicht ausreicht, um sowohl den Anforderungen des Trainings als auch den physiologischen Körperfunktionen gerecht zu werden. Die Folgen gehen weit über die sportliche Leistung hinaus und können zahlreiche Aspekte der Gesundheit und des allgemeinen Wohlbefindens beeinträchtigen. Das Erkennen der Anzeichen, das Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen sowie Kenntnisse über Präventions- und Behandlungsansätze sind daher unverzichtbare Kompetenzen für Sportmediziner.
Von der Theorie zur klinischen Praxis
Ein wesentlicher Teil der Veranstaltung befasste sich mit dem „IOC REDs Clinical Assessment Tool Version 2“ (REDs CAT2), das einen strukturierten Ansatz zur Beurteilung und Betreuung von Athleten mit Verdacht auf REDs bietet. Wir diskutierten, wie dieses Instrument die klinische Einschätzung und Entscheidungsfindung unterstützen kann – wobei stets betont wurde, wie wichtig es ist, die individuellen Umstände des jeweiligen Athleten sowie das gesamte klinische Bild zu berücksichtigen.

Um diese Konzepte in die Praxis zu übertragen, wurden im Kurs zudem Fallstudien behandelt, die die Komplexität bei der Beurteilung und Behandlung von REDs verdeutlichen. Diese Beispiele unterstrichen den Wert einer interdisziplinären Zusammenarbeit und zeigten, wie wichtig es ist, bei der Betreuung von Athleten mit Verdacht auf REDs unterschiedliche Perspektiven und Fachkompetenzen zusammenzuführen.
Sportmediziner:innen, auf Sport Nutritionists, Sportwissenschafter:innen, Trainer:innen, Physiotherapeut:innenen, Psycholog:innen und weitere Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen können hier jeweils wertvolle Beiträge leisten. Eine effektive Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen diesen Fachkräften sind unerlässlich, um potenzielle Probleme zu erkennen, geeignete Managementstrategien zu entwickeln und Athletinnen und Athleten während ihres gesamten Genesungsprozesses zu unterstützen.
Warum Weiterbildung wichtig ist
Trotz zunehmender Forschung und eines wachsenden Bewusstseins bestehen bei medizinischem Fachpersonal weiterhin Wissenslücken in Bezug auf REDs (Relative Energy Deficiency in Sport), wie von Verhoef et al. (2024) sowie Warrick et al. (2023) aufgezeigt wurde. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, neue Forschungsergebnisse in die klinische Praxis zu übertragen und sicherzustellen, dass Fachkräfte, die mit Athletinnen und Athleten arbeiten, über das nötige Wissen und die Sicherheit verfügen, um REDs zu erkennen und entsprechend zu handeln.
In Österreich bietet das Diplom für Sportmedizin der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) einen strukturierten Ausbildungsweg für Ärztinnen und Ärzte, die ihre Expertise im Bereich der Sportmedizin ausbauen möchten. Das Modul zur Ernährung bietet eine wertvolle Gelegenheit, Ärztinnen und Ärzte – die später mit Athletinnen und Athleten in verschiedensten Sportarten und Umfeldern arbeiten werden – mit dem Thema REDs vertraut zu machen.
Dass der diesjährige Kurs 50 Teilnehmende erreichte, ist sehr erfreulich. Jede Gelegenheit, angehende Sportmedizinerinnen und Sportmediziner einzubinden, ist eine Chance, das Bewusstsein zu schärfen, Fehlvorstellungen zu korrigieren und eine frühzeitigere Erkennung von REDs in der klinischen Praxis zu fördern.
Vom Bewusstsein zum Handeln
Eine verbesserte Prävention und Behandlung von REDs erfordert mehr als nur das Wissen über das Krankheitsbild selbst. Es braucht medizinisches Fachpersonal, das potenzielle Warnsignale erkennt, geeignete Diagnose- und Bewertungsmethoden anwendet, die Grenzen einzelner Instrumente versteht und durch eine gute Zusammenarbeit eine athletenzentrierte Betreuung gewährleistet. Dieser Kurs war ein bedeutender Schritt, um die Unterstützung für Athletinnen und Athleten weiter zu verbessern.
Ergänzende Literatur:
Mountjoy et al. (2023). 2023 International Olympic Committee's (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Br J Sports Med, Sep 57 (17): 1073-1097. doi: 10.1136/bjsports-2023-106994.
Verhoef SJ, Wielink MC, Achterberg EA et al. (2024). Knowledge on relative energy deficiency in sport among physiotherapists and physicians. Eur J Sport Sci. Jan 30;24(1):156–63. https://doi.org/10.1002/ejsc.12026 PMCID: PMC11235195.
Warrick AE, Hassid B, Coleman B, Cansino C, Faustin M (2023). Multidisciplinary physician survey assessing knowledge of the female athlete triad and relative energy deficiency in sport. J Eat Disord. May 9;11(1):70. https://doi.org/10.1186/s40337-023-00800-4. PMID: 37161433; PMCID: PMC10169360.
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